Auszug aus der ZU SPÄT Nr.2 05/93 über die Firma Fischel

Mister X. Wer kennt sie nicht, die Firma Büschel in Berlin? Lange Jahre bekannt als Verlag mit Literatur (siehe Einleitung, der Säzzer), Zeitschrift und Software für Pocketcomputer. Anlauf stelle für zigtausende von Pocket Usern. Was für eine Firma war das? Wie arbeitete sie? Und was genau wurde dort produziert? Fragen, die der folgende Bericht, wenigstens teilweise, beantworten möchte. Aus Gründen des Datenschutzes wurden die Namen von der Redaktion geändert.

Das genaue Datum der Entstehung der Firma Büschel wird wohl ein Geheimnis bleiben. Auch weiteren Nachforschungen der ZU SPÄT - Redaktion war kein Erfolg beschieden. Es muß sich ungefähr im Jahre 1981 zugetragen haben, daß die Büschel GmbH ins Handelsregister der Stadt Berlin einge tragen wurde.
Vorausgegangen war diesem Schritt ein PC-1500 Club der in den neuen Pocketcomputern eine Chance sah und - bestärkt durch die vielen Useranfragen- dann eine Zeitschrift heraus brachte, die den Namen "Alles fur SHARP Computer" trug. Zuerst wur den haupsächlich nur die Modelle PC 1401 mit und PC-1500 behandelt. Der Stil der Zeitung, obwohl in DIN A4 und farbigen Deckblatt, hatte große Ähnlichkeit mit einer Schülerzeitung (aus der Grundschule, der Säzer). Ein kritischer Leser äußerte sich in einem Leserbrief folgendermaßen dazu: Das "... amateurhafte Layout, die quer über die Seiten verteilte (Eigen-) Werbung und der viel zu hohe Seitenpreis von sage und schreibe 10 Pf.
...", macht die Zeitschrift zunehmend unatraktiver. "Ohne Ihnen (Büschel A.d.A) auf die Füße treten zu wollen: Wollen Sie mit der mehr grau als schwarzen Druckerfarbe auf nicht entholztem (Sorry, Toiletten?) - Papier (superteuer, 60 Seiten, Nr. 5/88, kosten 6 DM), zuviel für ein Schülerbudget, Kundschaft für Augenärzte anwerben?"

Soweit zur ersten Kritik. Der Preis von 6 DM war natürlich zu hoch, aber im Anfangstadium bekam man trotz des schon hohen Werbeanteils in der Zeit schrift, noch wirklich nützliche Informationen. Hatte man sich erstmal an den chaotischen Artikelaufbau gewöhnt, konnte es schon beinahe Spaß machen, den Informations-Dschungel nach Berichten für seinen eigenen Computer zu durchforsten. Aber die Zeiten, wo man dann auch wirklich fündig wurde, gingen auch irgendwann zuende. Immer mehr Computertypen und -firmen wurden aufgenommen, so daß der entsprechende Informationsfluß für das eigene Modell erst immer kleiner und schließlich ganz versiegte. Dieser "universelle" Trend machte sich dann auch in dem Wechsel des Zeit schriftennamens bemerkbar. Erste Änderung in den Namen "Pocketcomputer" und letztendlich "Pocket- und Laptopcomputer".

Es wurde rein von der Anzahl der Typen unmöglich, alle User mit Infos zu versorgen. Immer mehr Werbung machte sich breit. Nur noch vereinzelt wurde ab und zu einnutzloses Programm für irgend einen Computer ab gedruckt (die 427ste Version zur Lösung linerarer Gleichungssysteme).
Man konnte an diesen Zuständen ersehen, wie es um die Finanzen der Firma bestelt war. Als die Zeitschrift dann 1991 nur noch alle zwei Monate herauskam, wußte man außerdem noch, wie es um die Informationsbeschaffung der Berliner Firma aussah. Aus der anfangs engagierten Userzeitschrift war ein pestbeulenartiges Katalogmonster geworden. Zuschrit eines Lesers an ZuSpät: "Scheiße zu produzieren, ist ja nicht weiter schlimm. Aber einen Riesenhaufen Scheiße über Jahre hin weg dummdreist als Gold zu verkaufen, das finde ich verabscheuenswert."

Nun ja, das Ende vom Lied war das Aus für den Verkauf an den Kiosken und schließlich auch der Vertieb an die Abonnementen. Ob dies nun der endgültige Schluß für Büschel ist, konnte noch nicht amtlich bestätigt werden, die Anzeichen sprechen aber dafür. Wie uns unser Korrespondent kurz vor Redaktionsschluß noch mimeilte ist für 1994 das Erlöschen der GmbH im Handelsregister geplant. Grund genug, diese Firma, die sich als erste und letzte ganz den Pocketcomputern verschrieben hatte, genauer zu studieren. M. Müller aus B. schrieb uns folgen des:
"...bin ich natürlich auch schon mehrfach in den Geschäftsräumen der Firma gewesen. Das ist eine ehemalige Wohnung im 5. Stock eines Miethauses in einem ziemlich verrufenen Viertel in Charlottenburg, nicht allzuweit vom Kurfürstendamm.

Im folgenden einige Zitate:
'Wenn in den "Stellenangeboten" von verschiedenen "Abteilungen" der Firma die Rede ist, so meint das die verschiedenen Ecken des Zimmers';
'auf Telefonanrufe wird ständig die Angabe gemacht, "das steht alles in den Heften, lesen Sie die, dann wissen Sie mehr als ich."';
'ein Buch kostet 3 (drei) DM Herstel lungskosten';
'es ist unmöglich, bei Büschel eine Buchbesprechung unterzubringen, die nur im geringsten kritisch oder nicht lobhudelnd ist.'
Herr F. aus K. schrieb uns folgende Zeilen:
"...Büschel ist schon ein komischer Typ,...ich bin genau zur Zeitschrifengründung da reingeraten'
'es fehlt Büschel das entsprechende Feingefühl seinen(!) Kunden gegenüber';
'er ist auf jeden Fall kein Typ, mit dem ich ernsthaft zusammenarbeiten könnte'
Dieses "Feingefühl", welches sich je der User für 0.23DM/12 sec. telefonisch in Berlin beschaffen konnte, trug auch nicht gerade zu einem größerem Umsatz der Firma bei. Man muß sich einfach klarmachen, daß man außer durch die Bücher und die Programme, keinen weiteren fachlichen Beistand bei Büschel bekommen konnte, da einfach keine Männer/Frauen vom Fach vorhanden waren. Die Bücher an sich hatten natürlich schon teilweise einen informativen Gehalt, der Einsteigern die einzelnen PC's durchaus näherbringen konnte, aber auch hier sorgte der überhöhte Preis von DM 49,- für eine abschreckende Wirkung.
Am besten kormte man mit Büschel zurecht kommen, wenn man ein billiges einfaches Programm zur Veröffentlichung einschickte. Dann bekam man ein Buch seiner Wahl und konnte zufrieden sein.

Die Entwickung in Berlin war übrigens auch der Grund für die Entstehung unseres Clubs. So war es möglich, untereinander Programme und andere Büschel Gratifkations-Ware und vieles mehr auszutauschen ohne in den "Genuß" der schaurigen Preise zu kommen.
In gewisser Weise muß man dem Berliner Werbeblatt sogar dankbar sein denn ohne die Adressenangaben in de Zeitschriften konnten die Gründungsmittglieder des Clubs nicht geworben werden und kein Phönix hätte aus de Asche steigen können.